Schneeflocken sind weich und zaubern allen ein Lächeln auf die
Lippen, jede Schneeflocke ist einzigartig und verschwindet sofort
wieder. In Corona-Zeiten waren sie vielleicht das einzige, was einen
noch berühren und deren Kuss man ohne Gefahr geniessen durfte.
Mittels mehrerer Riesenprojektoren entstand die Illusion von
tanzenden Schneeflocken, die über die Gebäude rund um die
Stubengasse, im Rathausinnenhof und vorm Erbdrostenhof
herumwirbelten. Die Aktion erregte internationales Aufsehen –
selbst im Hongkonger Fernsehen wurde darüber berichtet.
Sad kommt an in dem Land, in dem man seine geliebte deutsche
Sprache spricht, aber er ist ein Illegaler. Wie ein „Stück Scheiße“
kommt er sich vor, weil man ihm ständig zu verstehen gibt, dass
man ihn nicht haben will, einem „dreckigen verlogenen Araber“
wie Sad sollte man kein Wort glauben. Alle fremden- und araber-
feindlichen Klischees und Vorurteile macht sich Sad zu eigen und
richtet die Wut und Aggression mit Bitterkeit gegen sich selbst.
Das Stück ist dreißig Jahre alt, hat aber nichts von seiner Brisanz
verloren, im Gegenteil. Es beschreibt den Zustand vieler Flüchtlinge
verwirrend präzise.
Reichtum und heißes Wasser für alle
spürt Mythologien, Philosophien und Politikrichtungen nach. Das
Stück mischt Legenden und Zitate und vergleicht sie mit der
Realität in unserer Gesellschaft. Leben in Brüssel ähnlich
fehlbare Götter wie auf dem griechischen Olymp? Wartet Europa
auf einen Deus ex machina, der alles richten soll? Liegt Papst
Franzikus mit Marx unter einer Decke, weil er im Kapitalismus
eine menschenverachtende Gegenreligion erblickt?
Die Diskussion um Armut und Reichtum, um Mindestlohn und
bedingungsloses Grundeinkommen ist mitnichten eine Erfindung
des 21. Jahrhunderts. Seit 2.500 Jahren wird davon geträumt.
„Wer kennt Gott am besten?“ – mit diesem Rätsel sehen sich die
Menschen im Rahmen dieser Installation konfrontiert. Die leicht
provokante Frage ist Titel einer Wanderausstellung, die vielleicht
Antworten geben kann.
Was weiß man über die Glaubensgemeinschaften in der Stadt?
Welche Geschichten stehen hinter ihnen? Wofür stehen sie?
Und wie ordnen sie sich selbst ein in der heutigen Situation?


